Jahr des Wassers


Zurück zur Wundertüte


Liebe Freunde,

Reich beschenkt und tief berührt und beeindruckt kehrte ich auch in diesem Jahr vom Wassersymposium
(8. / 9. Juni 2003 in Luzern) nach Hause zurück. Viele interessante und spannende Vorträge, Workshops und wunderbare Eindrücke bereicherten auch diesmal wieder Geist und Sinne.
Mit den folgenden Texten und Gedichten über das Wasser möchte ich diesem wunderbaren Element
Raum und Ehre geben.


Gesang der Geister über den Wassern

Des Menschen Seele
Gleicht dem Wasser:
Vom Himmel kommt es,
Zum Himmel steigt es,
Und wieder nieder
Zur Erde muss es,
Ewig wechselnd.

Strömt von der hohen,
Steilen Felsenwand
Der reine Strahl,
Dann stäubt er lieblich
In Wolkenwellen
Zum glatten Fels,
Und leicht empfangen,
Wallt er verschleiernd,
Leiserauschend,
Zur Tiefe nieder.

Ragen Klippen
Dem Sturz entgegen,
Schäumt er unmutig
Stufenweise
Zum Abgrund.

Im flachen Bette
Schleicht er das Wiesental hin,
Und in dem glatten See
Weiden ihr Antlitz
Alle Gestirne.

Wind ist der Welle
Lieblicher Buhler;
Wind mischt vom Grund aus
Schäumende Wogen.

Seele des Menschen,
Wie gleichst du dem Wasser!
Schicksal des Menschen,
Wie gleichst du dem Wind!

Johann Wolfgang Goethe






Oft sassen sie am Abend
gemeinsam beim Ufer
auf dem Baumstamm,
schwiegen und hörten
beide dem Wasser zu,
welches für sie kein Wasser war,
sondern die Stimme des Lebens,
die Stimme des Seienden,
des ewig Werdenden.

Hermann Hesse






Quellen, sie münden herauf,
Beinah zu eilig.
Was treibt aus Gründen herauf,
Heiter und heilig?

Lässt dort im Edelstein
Glanz sich bereiten,
Um uns am Wiesenrain
Schlicht zu begleiten.

Wir, was erwidern wir
Solcher Gebärde?
Ach, wie zergliedern wir
Wasser und Erde!

Rainer Maria Rilke






Das Wasser, das das Schiff trägt,
ist dasselbe, das es verschlingt.

Chinesisches Sprichwort






Wasser, du hast weder Geschmack
noch Farbe, noch Aroma.
Man kann dich nicht beschreiben.
Man schmeckt dich, ohne dich zu kennen.
Es ist nicht so, dass man dich zum Leben braucht:
du selber bist das Leben!
Du durchdringst uns als Labsal, dessen Köstlichkeit
keiner unserer Sinne auszudrücken fähig ist.
Durch dich kehren uns alle Kräfte zurück,
die wir schon verloren gaben.
Dank deiner Segnung fliessen in uns wieder
alle bereits versiegten Quellen der Seele.
Du bist der köstlichste Besitz dieser Erde.

Antoine de Saint-Exupéry





Beharre nicht auf der Welle
Die sich an deinem Fuss bricht;
Solang er im Wasser steht, werden sich
Neue Wellen an ihm brechen.
Wie oft du auch den Fluss ansiehst,
Der träge dahinzieht, nie siehst du dasselbe Wasser,
Nie kehrt es, das hinunterfliesst, kein Tropfen von ihm
Zu seinem Ursprung zurück.

Bertold Brecht





Schon rauscht Ein Bach zu Bächen mächtig nieder,
Aus Schluchten kehren sie gedoppelt wieder,
Ein Strom nun wirft den Bogenstrahl,
Auf einmal legt er sich in flache Felsenbreite
Und rauscht und schäumt, nach der und jener Seite,
Und stufenweise wirft er sich ins Tal.
Was hilft ein tapfres heldenmässiges Stemmen?
Die mächtige Woge strömt sie wegzuschwemmen.
Mir schaudert selbst vor solchem wilden Schwall.

Johann Wolfgang Goethe





Wasserspiele


Wasser, die ihr mit dem Lichte
Euch verbindet, welch ein Leuchten,
Welch ein Glanz, ein lebensvoller,
Fliesst wie Feuer aus dem Feuchten.

Alles formt sich zum Kristalle,
Leichter, freier sich ergiessend,
Wie aus Kelchen Licht verschenkend,
Wie aus Bechern überfliessend.

Wie durch Gläser geht ein Klingen,
Geht ein Singen, geht ein Beben.
Es beginnt in Wasserspielen
Heiterer der Geist zu leben.

Ja schon fühl ich mich verwandelt.
Bin ich denn nicht selbst die Quelle?
Und wie Iris schlank und lieblich?
Und behend wie die Forelle?

Fliess' ich nicht auf diesen Kieseln
An der Ufer hellem Strudel,
Über weissem Sand mich wiegend
Und mich hebend mit dem Sprudel?

Wasser senkt sich, Wasser hebt sich,
Das Bewegliche bewegt sich,
Dreht sich, leuchtet und entschwindet,
Und der Wassergeist, er regt sich.

Wiederkehrend reiht und bindet
Ruhlos Welle sich an Welle,
Nur im Wechsel bleibt ein Gleiches,
Nur im Wandel lebt die Quelle.

Friedrich Georg Jünger




Nichts Weicheres, Wankeres in der Welt als Wasser,
Nichts Mächtigeres auch zur Beugung des Starken und Starren:
Unbezwingbar weil all-anpassend.
So auch:
Alle Welt weiss: Schwaches zwingt Starkes,
Weiches zwingt Starres;
Doch niemand handelt danach.

Lao-Tse




Schmetterling
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